austria

Österreich war schon zweimal bankrott

Pleite mit Kirchensilber bekämpft

VON REINHARD KAUFMANN

Die „gute alte Zeit“ war nicht so gut, wie es die Monarchisten heute sehen. Am 20. Februar 1811 musste im Kaiserreich formell der erste Staatsbankrott erklärt werden. Die goldenen Bankzettln, eine Art Ersatzwährung für den Gulden, waren plötzlich nur mehr ein Fünftel wert. Die Pfarrer mussten das ganze Kirchensilber abliefern, nur die Kelche für die Liturgie durften sie behalten. Fünf Jahre später, am 1. Juni 1816, folgte der nächste Staatsbankrott von Österreich.

Schon seit Beginn der Koalitionskriege gegen Napoleon war die k.u.k. - Monarchie in finanziellen Schwierigkeiten. Die Armee von Kaiser Franz I. verschlang weit mehr als die Hälfte des Budgets. Eine Einnahmequelle waren die Schlachten gegen die Franzosen, die von den Engländern finanziert wurden. Doch die Österreicher verloren jahrelang Mensch und Material. Tausende Menschen starben bei Austerlitz (1805), bei Friedburg (1907) und bei Deutsch Wagram (1809). Gleichzeitig wurde das Kaiserreich immer kleiner, da es nach jeder verlorenen Schlacht viele seiner Länder abtreten musste.

Auch die vielgepriesene Heiratspolitik von Habsburg-Lothringen änderte nichts am Finanzdesaster Österreichs. Selbst als sich des Kaisers Tochter Erzherzogin Maria Louise opferte und aus Staatsräson Napoleon heiratete. Erst mit der Völkerschlacht von Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) endete die Karriere des französischen Kaisers.

Die Ablieferung des Kirchensilbers kontrollierte beim 1. Staatsbankrott eine eigene Kommission. Die Kelche, die für den Gottesdienst unverzichtbar waren, wurden mit einer eigenen Punze versehen, der sogenannten „Repunze“. In Böhmen und Mähren, bekannt für den listigen Soldaten Schwejk, wußten sich die Katholiken zu helfen. In Znaim bemalten die Mönche den Silberrahmen des Wundergemäldes mit einer braunen Ölfarbe. Das genügte, die Kommission befand den Rahmen für wertlos und ließ ihn in der Kirche zum Heiligen Kreuz.

Die beiden Staatsbankrotte der k.u.k. - Monarchie brachte den Schuldnern Vorteile, die nur mehr ein Fünftel zurückzahlen mussten. Auch Händler und Hersteller von notwendigen Gütern profitierten davon. Dagegen konnten Waisen von ihrer Rente, Beamte von ihrem Gehalt nicht mehr leben. Dazu kam noch eine große Teuerungswelle. Es war nicht schön, Untertane des Pleitekaisers Franz I. zu sein.



VIP-Treffen der Auslands-Niederösterreicher in St. Pölten (31.08. - 02.09.2010)


    

Afrika-Tage 2010 auf der Donauinsel in Wien (08.08.2010)


Vorführung des Einsatzkommandos Cobra am 28.05.2010 in der Zentrale Wiener Neustadt


Die Schlacht bei Znaim veränderte die Landkarte Europas

Aus dem Referat von Reinhard Kaufmann, das er beim Internationalen Napoleon-Symposium am 5.6.2009 im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien als einer der Vortragenden aus zehn Nationen hielt

Vor mehr als 200 Jahren wollten die Franzosen ihre Revolution auf ganz Europa ausdehnen. Dies führte zu den von Großbritannien finanzierten fünf Koalitionskriegen, mit dem das englische Empire seine Kolonialpolitik schützen wollte. Die Zeit wurde ge­prägt von Napo­leon I., der es vom Brigadegene­ral zum Kaiser gebracht hatte.
Er verfeinerte die „neue Kriegs­kunst“ der Franzo­sen. Die Sol­da­ten mussten sich durch Plün­de­rungen im Feindesland selbst versor­gen und brauchten auch keine Provi­ant­wagen. Da­durch war die Große Ar­mee dreimal so schnell wie die Geg­ner. Exerzieren war zweitran­gig, wichtig waren Mut und Angriffs­lust im Kampf. Deshalb war der Platz der Offi­ziere an der Spitze ihrer Män­ner. Nach Möglichkeit ver­mied Na­po­leon I. die Schlacht auf offe­nem Feld, er operierte lieber mit wuchtig geführ­ten Gefechten. So konnte er leichter die gegneri­schen Truppen spalten.

Als Reaktion hatte Öster­reich endlich sein Hee­res­wesen reformiert und in Teilen der Monarchie eine Land­wehr aufgestellt. Für die Armee wurde mehr als die Hälfte der Staatsausga­ben aus­gegeben. 1809 hatte Kai­ser Franz I. die Wahl, abzu­rü­sten oder abermals einen Kampf gegen die Franzosen zu wa­gen. Er ent­schied sich für den Krieg. Denn er hoffte, von Großbritannien Geld und von den Preußen Soldaten zu bekommen. Von England erhielt der Kaiser jedoch weit weniger finanziellen Mitteln. Der preußische König, der schon frü­her die Ausrede hatte, keine starke Artillerie und nur eine unzureichend ausgebildete Armee zu besitzen, konnte sich nach der Schlacht bei Znaim wieder freuen, dass er nicht „die Ehre hatte, gemeinsam mit Ös­terreich vernichtet worden zu sein“.
Schon die erste Schlacht bei Regensburg (19. bis 23. April 1809) brachte für die Österrei­cher eine Nie­der­lage. Erz­herzog Carl musste sich mit sei­nen Truppen entlang der Donau zu­rückziehen. Napoleon folgte ihm süd­lich des Stromes und nahm kampflos Wien ein. Am 21. und 22. Mai 1809 kam es zur Schlacht bei Aspern und Essling, wobei die Franzosen den Öster­reichern den Sieg überlie­ßen. Napoleon I. zog sich in die Lobau zurück, bekam rasch Verstärkung und konnte schon sechs Wo­chen später erneut angreifen.

Bei Wa­gram (5. und 6. Juli 1809) zeichnete sich der Sieg der Franzosen ab. Außerdem traf die inneröster­reichische Armee zu spät am Schlachtfeld ein. Daher musste Erzherzog Carl einen ge­ordne­ten Rück­zug in Rich­tung Böhmen befehlen, um seine Männer vor der endgültigen Vernichtung zu retten. Er richtete bis zum 9. Juli sein Hauptquartier in Guntersdorf ein.
Österreichs Kai­ser Franz I. wollte den Franzosen ei­nen Waf­fen­still­standvertrag an­bie­ten und be­auftragte Fürst Johann Josef Liech­tenstein mit dieser Auf­gabe. Doch dieser fand Na­poleon I. nicht bzw. wurde vor­erst nicht zu ihm vorgelassen.
Der französische Kaiser hatte seine Truppen bis 9. Juli 1809 zwischen Stammersdorf und Wolkersdorf zu­sammen gezogen. Nur das Korps General Massena nahm die Verfolgung des 5. Armeekorps FZM Fürst Reuü-Planen über Mistelbach in Richtung Nikolsburg auf, wo es am Vormittag des 8. Juli zum Gefecht bei Neudorf bei Staatz kam.

Napoleon hatte General Massena die Order gegeben, seine Richtung nach den ihm zukommenden Nachrich­ten selbst zu nehmen. Der französische Kaiser nahm an, dass die österreichische Armee nach Znaim wollte. So gab der General bei Laa die Verfolgung des Korps Fürst Reuü-Planen auf, bemächtigte sich am 8. Juli 1809 der Stadt und der Brücke über die Thaya und zog nördlich des Flusses in Richtung Znaim.

Die Österreicher konnten maximal 30 km pro Tag zurücklegen, allein die Kolonne der Marketenderwagen hatte eine Länge von 18 Kilometer. Die Franzosen waren daher drei Mal so schnell wie die k.u.k.-Armee.

In der Nacht zum 10. Juli 1809 verlegte Erzherzog Carl seine Truppen von Guntersdorf nach Znaim. Als er gegen 9 Uhr dort ankam, war von den Franzosen noch nichts zu sehen. Doch 20 Minuten später rückte die Grosse Armee an, die „Schlacht bei Znaim“ (Znojmo) begann.

An die 150.000 Solda­ten aus 13 Nationen waren im Ein­satz. In der Großen Armee Na­pole­ons kämpften Trup­pen aus Bay­ern, Frank­reich, Hessen, Italien, Kroa­tien, Polen, Portugal und Sach­sen. Erzher­zog Carl ver­fügte über Männer aus Öster­reich, Ser­bien, Slo­wa­kei, Tsche­chien (Znaimer Landwehr) und Ungarn.

Der franzö­si­sche Kai­ser be­zog sein Haupt­quartier auf ei­ner An­höhe bei Zuckerhandl (Su­chohrdly), wo spä­ter „Na­pole­ons Eiche“ an den histo­rischen Platz erin­nerte. Nachdem am Abend des ersten Tages die Franzo­sen im Vorteil waren und Erz­herzog Carl den Zer­fall sei­ner Ar­mee befürch­tete, bot auch er einen Waffen­still­stand an. Dieses Angebot wurde je­doch schnöde zu­rückge­wies­en.

Am nächsten Tag ging wäh­rend der Kämpfe plötz­lich ein Gewit­ter nieder. Der Regen war so stark, daß die Soldaten im Zwei­kampf ihre Gewehre nicht mehr ver­wenden konnten. Das Tö­ten ging mit Ba­jo­nett und Sä­bel weiter.

Heftig um­kämpft war die Thaya­brücke in Oblas (Obleko­vice). Sie konnte schließlich durch das 18. französi­sche In­fante­rie­re­giment vom 4. Korps des Mar­schalls Mas­sena be­setzt werden. Kurz darauf fiel auch Klo­sterb­ruck (Louka). Im „Gedenk­buch der Stadt Znaim “ wird be­rich­tet, daß die Kir­che, der große Weinkel­ler und die Ta­bakfabrik von den Sol­daten ge­plün­dert wur­den. Fast alle Häu­ser der Orte Klein Teßwitz (Dobsice), Zuc­kerhandl und Ku­kro­witz (Kucha­rovice) brann­ten nieder.

Plötzlich ließ Napoleon Bonaparte die Öster­rei­cher wissen, daß er unter Um­ständen das Anbot eines Waffen­stillstan­des doch an­neh­men werde. „Es ist be­reits Blut genug geflos­sen“, sagte er zu sei­nen Generä­len, die wei­ter­kämp­fen woll­ten. Es war aber nicht der Friedenswille, der den Kai­ser dazu lei­tete. Viel­mehr soll er schon seit Aspern darüber nachdenk­lich ge­worden sein, daß durch die technische Ent­wick­lung die Kanonen die Ge­fechte ent­schieden und nicht mehr der Kampf Mann gegen Mann. So kam es zum Ende des Ge­metzels.

Noch in den Abendstun­den ´des 11. Juli 1809 besich­tigte Napoleon I. das Laza­rett in Klosterb­ruck, wo die ver­letzten Soldaten beider Kriegs­par­teien ver­sorgt wurden. Später fuhr er nach Hödnitz (Hodo­nice) weiter, wo er im Gutshof des Mül­lers Tuli­pán näch­tigte. Der Frau des Müllers gab der Kaiser einen Beutel mit Goldmünzen. Als er abreiste, steckte einer der französischen Offiziere die Münzen in einem unbeobachteten Moment ein und gab sie Napoleon zurück.

Der „Waffenstillstandver­trag von Znaim wurde am 11. Juli 1809 um 23 Uhr, jedoch datiert mit dem nächs­ten Tag, ab­geschlossen. Das Schrift­stück bildete die Grund­lage für den "Frieden von Schönbrunn" (14. Ok­tober 1809). Im Meierhof von Zuc­kerhandl konnte der franzö­sische Mar­schall Berthier vom österreichi­schen Stabs­chef Wimpffen mehr Zuge­ständnisse errei­chen, als Erz­herzog Carl überhaupt geben wollte. Während der Verhandlun­gen war auch Fürst Liech­ten­stein mit dem Waffen­stillstand-Ange­bot des österrei­chi­schen Kaisers von Na­poleon empfangen wor­den. Liech­tenstein ahnte nicht, daß Wimpffen gleichzei­tig eine für die Franzosen weit bes­sere Ab­ma­chung abschloss.

Mit dem Waffenstillstand­ver­trag wurde die Landkarte von Europa neu geord­net. Österreich verlor Krain, Görz, Triest, Istrien, Teile von Kroatien, von Kärnten, von Mähren und von Ungarn, das Innviertel, Salz­burg, Tirol und Vorarl­berg. 8,5 Millionen Men­schen erhiel­ten über Nacht eine neue Herrschaft.

Erzherzog Carl legte nach ein paar Tagen den Oberbefehl über die österreichische Armee zurück. Napoleon war von ihm sehr beeindruckt, bezeichnete ihn als ebenbürtigen Kämpfer und zeichnete Carl später mit dem höchsten französischen Orden aus.


Aus dem Tagebuch eines Leutnants

Über die Schlacht bei Znaim gibt es ein Tagebuch des Leutnants Phillip B., einem Franzosen, der im Badi­schen Korps diente. Dieser schrieb:

„Es war schon acht Uhr abends, deshalb lagerten wir und blieben bis zum 11.Juli morgens drei Uhr, da mar­schierten wir ge­gen Znaim. Die 1.Division General Legrend unter dem das Badische Korps stand. Wir hat­ten die Avantgarde. Wir kamen gegen 11 Uhr bei Znaim an (Von Budapest bis Znaim sind es 382 km).

Nach einer halben Stunde Ruhe, während der Zeit wurde die Gegend rekognosziert, brachen wir auf, mar­schierten in ein tiefes Tal den Berg hinab und als wir keine Feinde trafen, setzten wir, die 1. Division war nur noch von 40.000 Mann 4000 Mann stark, an allen Orten über die Thaya, ein Fluss, der durch sein Flussgebiet, hohe Berge, oft sehr breit ist, die Brücke ist so hoch, dass man gut ein großes zweistö­ckiges Haus darunter stellen kann. Das Wasser war aber so seicht, dass man über­all mit den Schuhen darüber ge­hen konnte. Nun ging es den Berg hinan. Znaim liegt ganz oben, als wir zwei Drittel des Ber­ges er­stiegen hatten, trafen wir die ersten Österreicher.

Sie wurden im Sturmschritt zurück geworfen nach Znaim, als wir ganz oben auf der Höhe waren, sah ich jenseits des Berges, wo es eben so hoch wieder hinunter ging, mehrere hundert Österreicher zerstreut he­rumlaufen. Ich dachte für mich, das gibt einen Fang und da ich beim Ersteigen des Berges mit meiner Sek­tion als Seitendeckung detachiert war, folglich augenblicklich mir das selbst überlassen war, sagte ich: „Grenadiere, da können wir einen Fang machen, vorwärts!“ So ging es von Strasse zu Strasse durch den Weinberg hinunter, um die Österreicher zu fangen.

Als ich schon eine gute Strecke den Berg hinab war, schrie ein Grenadier: „Herr Leutnant!“ Und als ich mich umsah, sah ich die Österreicher aus Znaim herausbrechen. Sie waren schon beinahe zwischen mir und der Division, so dass uns der Rückweg beinahe abgeschnitten war. Nun rief ich meinen Grenadieren zu, um­zukehren und zu eilen, damit wir nicht gefangen werden.

Es ging also Hals über Kopf den Berg hinauf und jenseits hinunter, um zum Regiment zu kommen. In dem nämlichen Augen­blick fing es so zu regnen an, ein so furchtbarer Wolkenbruch, wie wenn jeder Tropfen ein Kübel voll Wasser wäre. Von uns ging kein Gewehr mehr los, weil wir zu sehr eilen mussten, während die Österreicher langsam und geschlossen vorrückten und ihre Gewehre verbergen konnten und demnach im­mer einige aus ihrer Kolonne heraus traten und auf uns feuerten. So kam ich mit mei­nen Grenadieren um 30 Schritte vor den Österreichern an die Brücke.

Der Wolkenbruch war so groß, dass die Thaya, welche zwischen zwei Bergen und kurze Frist vorher so niedrig war, dass man mit den Schuhen allenthalben hinüber konnte, nun über die hohe Brücke ging, so dass man nur den heiligen Johannes (es ist natürlich der Nepomuk), welcher auf dem steinernen Gelän­der auf höchsten Punkt der Brücke stand, sehen konnte.

Dieser heilige Johannes (Nepomuk) zeigte uns also den Weg über die Brücke, sonst wären wir alle verloren gewesen. Die Hälfte der Division ist ohnehin ertrunken.

Während unserer Retraite kam die 2.Division jenseits der Thaya auf dem Berg an.

Sie war noch 10.000 Mann stark, wir waren so schwach, weil wir immer die Avantgarde hatten, von der An­kunft der 2.Division wusste ich nichts und da ich bei ihrer Ankunft einer der letzten an der Brücke war, die Österreicher unterdessen auch ange­kommen waren und einen nach dem anderen in meiner Nähe zu­sammen­stachen, so ließ ich, um uns zu retten einen Tambour, welcher in meiner Nähe, war Sturm schla­gen.

Auf dieses Zeichen stellte sich alles wieder auf der Brücke mit Front gegen die Österreicher. General Legrend sah mit Ungeduld seine entkräftete Division langsam über die Brücke gehen. Dann sollte die 2. Division, bei welcher zwei Kürassier Regimenter waren, vorrücken. Als aber mein Tambour Sturm schlug und sich alles stellte, ging ihm die Geduld aus. Er ritt daher mitten über die Brücke und Soldaten, um dem armen Tambour Einhalt zu tun.

Als ich ihn kommen sah, erhielt ich auf die rechte Hälfte einen Prellschuss, der fürchterlich schmerzte, so dass ich kaum den Fuß fortbringen konnte. Als General Legrand an dem Tambour prügelte, gab es hin­ter seinem Pferd eine Lücke, in diese schlüpfte ich schnell, um nicht von den Österreichern erstochen zu werden und so kam ich glücklich auf den höchsten Punkt der Brücke, der allein noch ohne Wasser war.

Hier lagen viele Tote oder Blessierte, die nicht fort konnten. Mein Bein konnte ich nicht heben, es war zu dick, hinter mir waren einige Pferde, die in der Angst vorwärts wollten und ohne Menschen niederzutre­ten, nicht konnten. So kamen sie denn zuerst an mich. Ich fühlte, wie mir eines der Pferde mit dem Vor­derfuss in den Rücken hieb, so dass ich vorwärts fiel, auch fühlte ich noch, wie ich wahrscheinlich beim über mich Set­zen, mit den Hinterfüssen auf mein schlechtes Bein getreten wurde.

Dann aber war ich besinnungslos. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einer Scheuer bei mehreren Bles­sierten und mein treuer Schick kniete neben mir, ich fühlte mich sehr elend.

Bei jeder Bewegung kamen mir dicke Brocken geronnenes Blut wie Leber aus dem Hals. Meine Bein­kleider waren nur noch am linken Bein sichtbar, am rechten war mir alles weggetreten, so dass vorne nur oben noch ein Fetzen bis gegen das Knie hing. Ich war so zertreten, dass man an drei Stellen die Knochen sah.

Ich schickte meinen Schick in die Ambulanz, damit ich verbunden würde. Es kamen bald zwei Mann mit einer Tragbahre und brachten mich dahin, wo ich noch lange warten musste, bis ich verbunden wurde.

Meine Wunden wurden ausgewaschen und mit Heftpflaster zusammen gehängt, dann wurde ich mit di­cken Hölzern auf der Brust und am Rücken nebst beiden Seiten geschient. Als es fertig war, sagte man mir, nun solle ich machen, dass ich nach Wien in ein Hospital käme.“

Pulkau fürchterlich geplündert
Die Bevölkerung litt sehr unter den Kämpfen. Plünderungen und Brandschatzungen waren an der Tages­ordnung. Eine dieser Begebenheit ist im Gedenkbuch der Pfarre Pulkau vermerkt.
In dieser Gemeinde wusste niemand vom Waffenstillstandsvertrag nach der Schlacht bei Znaim, da das Do­kument in der Kanzlei der Stadt Schrattenthal liegen geblieben war. Als am 13. Juli 1809 etwa 10 Kavalle­risten der Grossen Armee nach Pulkau kamen, versammelten sich die Bürger vor dem Rathaus. Dort emp­fing der Syndikus die Soldaten. Ein Kavallerist war zurückgeblieben und untersuchte das Gewehr des Pos­tens, der vor dem Spital stand, und schoss es in die Luft ab.
Dies hielten die Pulkauer für ein Zeichen, dass sie sich verteidigen sollten. Sofort wurde ein Kavallerist vor dem Rathaus vom Pferd geschossen, ein zweiter niedergehauen. Die restlichen Franzosen flüchteten.
Wenig später rückte ein Regiment zur Untersuchung des Vorfalles heran und stellte sich außerhalb von Pulkau auf. Syndikus Hitzelberger, Protokollist Scherak und der Hauptmann des Spitals begaben sich zum kommandierenden General, baten um Gnade und erläuterten die Umstände der geschehenen Tat.
Da sich herausstellte, dass der Waffenstillstand in Pulkau wirklich unbekannt war, die Soldaten für Plünde­rer gehalten und aus Irrtum zur Gegenwehr gegriffen worden war, erhielten die Pulkauer Gnade unter der Bedingung, dass der Markt eine Stunde hindurch fürchterlich geplündert wurde.
Ferdinand Gollhofer, ein Bürger, der eben ein Lamm geschlachtet hatte, war mit Blut befleckt. Diesen hiel­ten die Franzosen für den Mörder ihrer Kameraden, schlugen ihn, banden ihn an den Schweif eines Pferdes und schleppten ihn durch die Straßen, worauf er starb.
Bei den Plünderungen wurden die Häuser verwüstet, insbesondere viel Wein ausgelassen. Erst am nächs­ten Tag verließ das Regiment Pulkau. Pfarrer Ulrich Jakomir berechnete den von den Franzosen in sei­nem Haus angerichteten Schaden auf 1.053 Gulden.

Besetzung kostete 138 Millionen Gulden
Aus der Chronik von Zwettl erfährt man, dass die militärische Besetzung Niederösterreichs 138 Millionen Gulden kostete.
1809 war der Druck der Besatzungsmacht wesentlich stärker als nach dem Krieg von 1805. Die fremden Truppen waren oft rücksichtslos und brutal. Es kam zu Ausschreitungen und Gewalttaten. Die Hauseigentümer mussten für die Verpflegung der einquartierten Soldaten aufkommen. Besonders auf dem Land hatte die Bevölkerung durch Marodeure, Deserteure, aber auch durch Angehörige des Trosses zu leiden, und nicht immer wurde dabei von den Offizieren der Bevölkerung Hilfe geleistet.
Nach dem Waffenstillstand von Znaim rückte ein französisches Armeekorps unter Marschall Marmont in das Waldviertel ein. Diese etwa 30.000 Mann starke Truppe war in Dalmatien stationiert gewesen und von dort in Eilmärschen herangerückt. Sie befand sich in einem denkbar schlechten Zustand und Napoleon selbst soll Marmont angewiesen haben, die Gelegenheit der Stationierung im besiegten Österreich dazu zu nützen, die Truppe sich erholen, neu formieren und frische Kräfte sammeln zu lassen.
Marschall Marmont bezog zwischen Rohrendorf und Theiß sein Lager, auch Oberst Maucun, der zum Gouverneur für das Viertel ober dem Manhartsberg ernannt worden war, verwaltete von hier aus das Waldviertel. Die Marmont’sche Kavallerie überwachte das gesamte Viertel bis zur böhmisch-oberösterreichischen Grenze und stellte so die Versorgung für das Korps sicher.
Der Marschall teilte seine Verpflegungs- und Ausrüstungswünsche einfach dem Kreisamt in Krems mit, das nun seinerseits die einzelnen Grundherrschaften mit der Beschaffung der Güter beauftragte. Die Herrschaften waren für die pünktliche und vollständige Aufbringung der Waren und deren Transport - unter Androhung militärischer Exekution - verantwortlich. Jeder Widerstand gegen die Kontributionen und Requirierungen wurde mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Lebensmittel, Kleidungsstücke, Pferde, Vieh, Futter usw. mussten auf Befehl abgeliefert werden.
Die Hausbesitzer waren überdies, wie bereits erwähnt, für die Verpflegung der bei ihnen einquartierten Soldaten verantwortlich, und die waren meist nicht gerade bescheiden. So verlangten etwa die Besatzer in Rastenfeld zum Frühstück Suppe, Eier und Schmalz, einen Laib Brot und ein halbes Maß Wein pro Mann. Zu Mittag wünschten sie Suppe, Rindfleisch mit Beilage, dann Braten und ein Maß Wein. Die Jause glich dem Frühstück, das Abendessen dem Mittagmahl, jedoch ohne Rindfleisch.
Übergriffe und Gewaltanwendung waren an der Tagesordnung. Dabei fürchtete die Zivilbevölkerung nicht so sehr die Franzosen selbst, sondern viel mehr deren Verbündete, etwa die Württemberger und Elsässer.
Teile der französischen Besatzungsmacht blieben bis zum 20. Dezember im Waldviertel stationiert. Die Kreisämter erhoben, dass diese militärische Besetzung in Niederösterreich Kosten von 138 Millionen Gulden verursacht hatte. Kosten, die vor allem die Zivilbevölkerung zu tragen hatte. Nur ein verschwindender Bruchteil davon wurde später ersetzt. Nach Krieg und Besatzungszeit hatte die Bevölkerung dann noch unter der Ruhr und anderen Epidemien zu leiden. Überdies war die Wirtschaft des Landes in den vorangegangenen Kriegsjahrzehnten so schwer geschädigt worden, dass am 20. Februar 1811 der Staatsbankrott erklärt werden musste.
Aus dem Dorf Gradnitz ist ein kleines Dokument erhalten, in dem die Geld- und Naturalleistungen der Bevölkerung für die französische Besatzungsmacht verzeichnet sind. Demnach mussten die Gradnitzer ab August an ihre Herrschaft (das Stift Zwettl) vor allem Geld und Leinen für die Franzosen liefern, ab Oktober Getreide, Heu, Ochsen, Kopf- und Tuchgeld sowie Stroh und Holz für das Militärlager in Zwettl.
Von 2. November bis 18. Dezember waren dann in dem kleinen Dorf (25 Häuser mit rund 150 Einwohnern) selbst 45 Soldaten einquartiert, die verköstigt werden mussten, was pro Mann und Tag fast 3 Gulden ausmachte. Überdies lag in Oberstrahlbach ein französischer Offizier im Quartier, dessen Unterhalt die Gradnitzer (zum Teil ?) bestreiten mussten. Sie lieferten dorthin durchschnittlich jeden zweiten Tag 6 bis 8 Pfund Rind- und Schaffleisch, 1 Pfund Zucker, 3 Maß Wein, Brot, Käse, Hühner oder Fisch, gelegentlich Schnaps oder Likör und Kerzen. Die Gradnitzer errechneten, dass ihnen die französische Einquartierung in Summe 10.530 Gulden gekostet hatte. Außerdem mussten einige von ihnen bei der Herrschaft ein Darlehen aufnehmen, um die geforderten Abgaben überhaupt bestreiten zu können. Ob die Bauern von Gradnitz mit der vorliegenden Aufstellung ihrer Besatzungskosten Erfolg hatten, ob ihnen also der durch den Krieg entstandene Schaden (vielleicht auch nur zum Teil) ersetzt wurde, lässt sich wohl nicht mehr feststellen, ist aber höchst fraglich.
Nachdem die französischen Soldaten im Dezember Zwettl bereits verlassen hatten, kam ein großer Trupp von Flüchtlingen, Deserteuren und Nachzüglern der französischen Armee in die Stadt und verlangte von den Zwettlern 3000 Gulden Brandschatzung. Die Bürger wandten sich in ihrer bedrängten Lage an den im Stift noch anwesenden General der Grande Armee und baten ihn um Hilfe. Dieser eilte unverzüglich in die Stadt, und die Freibeuter ergriffen die Flucht.


Roma-Verein Oberwart


30 Jahre Einsatzkommando Cobra


Tito war Einfahrer in Wiener Neustadt

Josip Broz Tito, das spätere Staatsoberhaupt von Jugoslawien, wurde am 7. Mai 1892 in Kumrovec (im heutigen Kroatien) geboren, das damals zu Österreich-Ungarn gehörte. In Sisak absolvierte er eine Schlosserlehre und arbeitete später als Metallarbeiter auch in der Kanonenfabrik Skoda in Tschechien. Da sein Bruder im Bahnhof Wiener Neustadt arbeitete, kam er für zehn Monate auch nach Niederösterreich. Im Daimler Motorenwerk in Wiener Neustadt fand er Arbeit als Einfahrer. Motorenprüfstände gab es damals noch nicht, jedes Auto wurde nach Fertigstellung auf der sogenannten Rennbahn hinter dem Werk etwa 20 Minuten „eingefahren“. 1913 kehrte Tito nach Kroatien zurück, da er zum Militärdienst in der k.u.k.-Armee einrücken musste.


Fotos und Texte: copyright by Reinhard Franz Kaufmann