czech

Doppelklick ins Logo = VIDEO


Die Schlacht bei Znaim veränderte die Landkarte Europas

Aus dem Referat von Reinhard Kaufmann, das er beim Internationalen Napoleon-Symposium am 5.6.2009 im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien als einer der Vortragenden aus zehn Nationen hielt

Vor mehr als 200 Jahren wollten die Franzosen ihre Revolution auf ganz Europa ausdehnen. Dies führte zu den von Großbritannien finanzierten fünf Koalitionskriegen, mit dem das englische Empire seine Kolonialpolitik schützen wollte. Die Zeit wurde ge­prägt von Napo­leon I., der es vom Brigadegene­ral zum Kaiser gebracht hatte.
Er verfeinerte die „neue Kriegs­kunst“ der Franzo­sen. Die Sol­da­ten mussten sich durch Plün­de­rungen im Feindesland selbst versor­gen und brauchten auch keine Provi­ant­wagen. Da­durch war die Große Ar­mee dreimal so schnell wie die Geg­ner. Exerzieren war zweitran­gig, wichtig waren Mut und Angriffs­lust im Kampf. Deshalb war der Platz der Offi­ziere an der Spitze ihrer Män­ner. Nach Möglichkeit ver­mied Na­po­leon I. die Schlacht auf offe­nem Feld, er operierte lieber mit wuchtig geführ­ten Gefechten. So konnte er leichter die gegneri­schen Truppen spalten.

Als Reaktion hatte Öster­reich endlich sein Hee­res­wesen reformiert und in Teilen der Monarchie eine Land­wehr aufgestellt. Für die Armee wurde mehr als die Hälfte der Staatsausga­ben aus­gegeben. 1809 hatte Kai­ser Franz I. die Wahl, abzu­rü­sten oder abermals einen Kampf gegen die Franzosen zu wa­gen. Er ent­schied sich für den Krieg. Denn er hoffte, von Großbritannien Geld und von den Preußen Soldaten zu bekommen. Von England erhielt der Kaiser jedoch weit weniger finanziellen Mitteln. Der preußische König, der schon frü­her die Ausrede hatte, keine starke Artillerie und nur eine unzureichend ausgebildete Armee zu besitzen, konnte sich nach der Schlacht bei Znaim wieder freuen, dass er nicht „die Ehre hatte, gemeinsam mit Ös­terreich vernichtet worden zu sein“.
Schon die erste Schlacht bei Regensburg (19. bis 23. April 1809) brachte für die Österrei­cher eine Nie­der­lage. Erz­herzog Carl musste sich mit sei­nen Truppen entlang der Donau zu­rückziehen. Napoleon folgte ihm süd­lich des Stromes und nahm kampflos Wien ein. Am 21. und 22. Mai 1809 kam es zur Schlacht bei Aspern und Essling, wobei die Franzosen den Öster­reichern den Sieg überlie­ßen. Napoleon I. zog sich in die Lobau zurück, bekam rasch Verstärkung und konnte schon sechs Wo­chen später erneut angreifen.

Bei Wa­gram (5. und 6. Juli 1809) zeichnete sich der Sieg der Franzosen ab. Außerdem traf die inneröster­reichische Armee zu spät am Schlachtfeld ein. Daher musste Erzherzog Carl einen ge­ordne­ten Rück­zug in Rich­tung Böhmen befehlen, um seine Männer vor der endgültigen Vernichtung zu retten. Er richtete bis zum 9. Juli sein Hauptquartier in Guntersdorf ein.
Österreichs Kai­ser Franz I. wollte den Franzosen ei­nen Waf­fen­still­standvertrag an­bie­ten und be­auftragte Fürst Johann Josef Liech­tenstein mit dieser Auf­gabe. Doch dieser fand Na­poleon I. nicht bzw. wurde vor­erst nicht zu ihm vorgelassen.
Der französische Kaiser hatte seine Truppen bis 9. Juli 1809 zwischen Stammersdorf und Wolkersdorf zu­sammen gezogen. Nur das Korps General Massena nahm die Verfolgung des 5. Armeekorps FZM Fürst Reuü-Planen über Mistelbach in Richtung Nikolsburg auf, wo es am Vormittag des 8. Juli zum Gefecht bei Neudorf bei Staatz kam.

Napoleon hatte General Massena die Order gegeben, seine Richtung nach den ihm zukommenden Nachrich­ten selbst zu nehmen. Der französische Kaiser nahm an, dass die österreichische Armee nach Znaim wollte. So gab der General bei Laa die Verfolgung des Korps Fürst Reuü-Planen auf, bemächtigte sich am 8. Juli 1809 der Stadt und der Brücke über die Thaya und zog nördlich des Flusses in Richtung Znaim.

Die Österreicher konnten maximal 30 km pro Tag zurücklegen, allein die Kolonne der Marketenderwagen hatte eine Länge von 18 Kilometer. Die Franzosen waren daher drei Mal so schnell wie die k.u.k.-Armee.

In der Nacht zum 10. Juli 1809 verlegte Erzherzog Carl seine Truppen von Guntersdorf nach Znaim. Als er gegen 9 Uhr dort ankam, war von den Franzosen noch nichts zu sehen. Doch 20 Minuten später rückte die Grosse Armee an, die „Schlacht bei Znaim“ (Znojmo) begann.

An die 150.000 Solda­ten aus 13 Nationen waren im Ein­satz. In der Großen Armee Na­pole­ons kämpften Trup­pen aus Bay­ern, Frank­reich, Hessen, Italien, Kroa­tien, Polen, Portugal und Sach­sen. Erzher­zog Carl ver­fügte über Männer aus Öster­reich, Ser­bien, Slo­wa­kei, Tsche­chien (Znaimer Landwehr) und Ungarn.

Der franzö­si­sche Kai­ser be­zog sein Haupt­quartier auf ei­ner An­höhe bei Zuckerhandl (Su­chohrdly), wo spä­ter „Na­pole­ons Eiche“ an den histo­rischen Platz erin­nerte. Nachdem am Abend des ersten Tages die Franzo­sen im Vorteil waren und Erz­herzog Carl den Zer­fall sei­ner Ar­mee befürch­tete, bot auch er einen Waffen­still­stand an. Dieses Angebot wurde je­doch schnöde zu­rückge­wies­en.

Am nächsten Tag ging wäh­rend der Kämpfe plötz­lich ein Gewit­ter nieder. Der Regen war so stark, daß die Soldaten im Zwei­kampf ihre Gewehre nicht mehr ver­wenden konnten. Das Tö­ten ging mit Ba­jo­nett und Sä­bel weiter.

Heftig um­kämpft war die Thaya­brücke in Oblas (Obleko­vice). Sie konnte schließlich durch das 18. französi­sche In­fante­rie­re­giment vom 4. Korps des Mar­schalls Mas­sena be­setzt werden. Kurz darauf fiel auch Klo­sterb­ruck (Louka). Im „Gedenk­buch der Stadt Znaim “ wird be­rich­tet, daß die Kir­che, der große Weinkel­ler und die Ta­bakfabrik von den Sol­daten ge­plün­dert wur­den. Fast alle Häu­ser der Orte Klein Teßwitz (Dobsice), Zuc­kerhandl und Ku­kro­witz (Kucha­rovice) brann­ten nieder.

Plötzlich ließ Napoleon Bonaparte die Öster­rei­cher wissen, daß er unter Um­ständen das Anbot eines Waffen­stillstan­des doch an­neh­men werde. „Es ist be­reits Blut genug geflos­sen“, sagte er zu sei­nen Generä­len, die wei­ter­kämp­fen woll­ten. Es war aber nicht der Friedenswille, der den Kai­ser dazu lei­tete. Viel­mehr soll er schon seit Aspern darüber nachdenk­lich ge­worden sein, daß durch die technische Ent­wick­lung die Kanonen die Ge­fechte ent­schieden und nicht mehr der Kampf Mann gegen Mann. So kam es zum Ende des Ge­metzels.

Noch in den Abendstun­den ´des 11. Juli 1809 besich­tigte Napoleon I. das Laza­rett in Klosterb­ruck, wo die ver­letzten Soldaten beider Kriegs­par­teien ver­sorgt wurden. Später fuhr er nach Hödnitz (Hodo­nice) weiter, wo er im Gutshof des Mül­lers Tuli­pán näch­tigte. Der Frau des Müllers gab der Kaiser einen Beutel mit Goldmünzen. Als er abreiste, steckte einer der französischen Offiziere die Münzen in einem unbeobachteten Moment ein und gab sie Napoleon zurück.

Der „Waffenstillstandver­trag von Znaim wurde am 11. Juli 1809 um 23 Uhr, jedoch datiert mit dem nächs­ten Tag, ab­geschlossen. Das Schrift­stück bildete die Grund­lage für den "Frieden von Schönbrunn" (14. Ok­tober 1809). Im Meierhof von Zuc­kerhandl konnte der franzö­sische Mar­schall Berthier vom österreichi­schen Stabs­chef Wimpffen mehr Zuge­ständnisse errei­chen, als Erz­herzog Carl überhaupt geben wollte. Während der Verhandlun­gen war auch Fürst Liech­ten­stein mit dem Waffen­stillstand-Ange­bot des österrei­chi­schen Kaisers von Na­poleon empfangen wor­den. Liech­tenstein ahnte nicht, daß Wimpffen gleichzei­tig eine für die Franzosen weit bes­sere Ab­ma­chung abschloss.

Mit dem Waffenstillstand­ver­trag wurde die Landkarte von Europa neu geord­net. Österreich verlor Krain, Görz, Triest, Istrien, Teile von Kroatien, von Kärnten, von Mähren und von Ungarn, das Innviertel, Salz­burg, Tirol und Vorarl­berg. 8,5 Millionen Men­schen erhiel­ten über Nacht eine neue Herrschaft.

Erzherzog Carl legte nach ein paar Tagen den Oberbefehl über die österreichische Armee zurück. Napoleon war von ihm sehr beeindruckt, bezeichnete ihn als ebenbürtigen Kämpfer und zeichnete Carl später mit dem höchsten französischen Orden aus.

Aus dem Tagebuch eines Leutnants

Über die Schlacht bei Znaim gibt es ein Tagebuch des Leutnants Phillip B., einem Franzosen, der im Badi­schen Korps diente. Dieser schrieb:

„Es war schon acht Uhr abends, deshalb lagerten wir und blieben bis zum 11.Juli morgens drei Uhr, da mar­schierten wir ge­gen Znaim. Die 1.Division General Legrend unter dem das Badische Korps stand. Wir hat­ten die Avantgarde. Wir kamen gegen 11 Uhr bei Znaim an (Von Budapest bis Znaim sind es 382 km).

Nach einer halben Stunde Ruhe, während der Zeit wurde die Gegend rekognosziert, brachen wir auf, mar­schierten in ein tiefes Tal den Berg hinab und als wir keine Feinde trafen, setzten wir, die 1. Division war nur noch von 40.000 Mann 4000 Mann stark, an allen Orten über die Thaya, ein Fluss, der durch sein Flussgebiet, hohe Berge, oft sehr breit ist, die Brücke ist so hoch, dass man gut ein großes zweistö­ckiges Haus darunter stellen kann. Das Wasser war aber so seicht, dass man über­all mit den Schuhen darüber ge­hen konnte. Nun ging es den Berg hinan. Znaim liegt ganz oben, als wir zwei Drittel des Ber­ges er­stiegen hatten, trafen wir die ersten Österreicher.

Sie wurden im Sturmschritt zurück geworfen nach Znaim, als wir ganz oben auf der Höhe waren, sah ich jenseits des Berges, wo es eben so hoch wieder hinunter ging, mehrere hundert Österreicher zerstreut he­rumlaufen. Ich dachte für mich, das gibt einen Fang und da ich beim Ersteigen des Berges mit meiner Sek­tion als Seitendeckung detachiert war, folglich augenblicklich mir das selbst überlassen war, sagte ich: „Grenadiere, da können wir einen Fang machen, vorwärts!“ So ging es von Strasse zu Strasse durch den Weinberg hinunter, um die Österreicher zu fangen.

Als ich schon eine gute Strecke den Berg hinab war, schrie ein Grenadier: „Herr Leutnant!“ Und als ich mich umsah, sah ich die Österreicher aus Znaim herausbrechen. Sie waren schon beinahe zwischen mir und der Division, so dass uns der Rückweg beinahe abgeschnitten war. Nun rief ich meinen Grenadieren zu, um­zukehren und zu eilen, damit wir nicht gefangen werden.

Es ging also Hals über Kopf den Berg hinauf und jenseits hinunter, um zum Regiment zu kommen. In dem nämlichen Augen­blick fing es so zu regnen an, ein so furchtbarer Wolkenbruch, wie wenn jeder Tropfen ein Kübel voll Wasser wäre. Von uns ging kein Gewehr mehr los, weil wir zu sehr eilen mussten, während die Österreicher langsam und geschlossen vorrückten und ihre Gewehre verbergen konnten und demnach im­mer einige aus ihrer Kolonne heraus traten und auf uns feuerten. So kam ich mit mei­nen Grenadieren um 30 Schritte vor den Österreichern an die Brücke.

Der Wolkenbruch war so groß, dass die Thaya, welche zwischen zwei Bergen und kurze Frist vorher so niedrig war, dass man mit den Schuhen allenthalben hinüber konnte, nun über die hohe Brücke ging, so dass man nur den heiligen Johannes (es ist natürlich der Nepomuk), welcher auf dem steinernen Gelän­der auf höchsten Punkt der Brücke stand, sehen konnte.

Dieser heilige Johannes (Nepomuk) zeigte uns also den Weg über die Brücke, sonst wären wir alle verloren gewesen. Die Hälfte der Division ist ohnehin ertrunken.

Während unserer Retraite kam die 2.Division jenseits der Thaya auf dem Berg an.

Sie war noch 10.000 Mann stark, wir waren so schwach, weil wir immer die Avantgarde hatten, von der An­kunft der 2.Division wusste ich nichts und da ich bei ihrer Ankunft einer der letzten an der Brücke war, die Österreicher unterdessen auch ange­kommen waren und einen nach dem anderen in meiner Nähe zu­sammen­stachen, so ließ ich, um uns zu retten einen Tambour, welcher in meiner Nähe, war Sturm schla­gen.

Auf dieses Zeichen stellte sich alles wieder auf der Brücke mit Front gegen die Österreicher. General Legrend sah mit Ungeduld seine entkräftete Division langsam über die Brücke gehen. Dann sollte die 2. Division, bei welcher zwei Kürassier Regimenter waren, vorrücken. Als aber mein Tambour Sturm schlug und sich alles stellte, ging ihm die Geduld aus. Er ritt daher mitten über die Brücke und Soldaten, um dem armen Tambour Einhalt zu tun.

Als ich ihn kommen sah, erhielt ich auf die rechte Hälfte einen Prellschuss, der fürchterlich schmerzte, so dass ich kaum den Fuß fortbringen konnte. Als General Legrand an dem Tambour prügelte, gab es hin­ter seinem Pferd eine Lücke, in diese schlüpfte ich schnell, um nicht von den Österreichern erstochen zu werden und so kam ich glücklich auf den höchsten Punkt der Brücke, der allein noch ohne Wasser war.

Hier lagen viele Tote oder Blessierte, die nicht fort konnten. Mein Bein konnte ich nicht heben, es war zu dick, hinter mir waren einige Pferde, die in der Angst vorwärts wollten und ohne Menschen niederzutre­ten, nicht konnten. So kamen sie denn zuerst an mich. Ich fühlte, wie mir eines der Pferde mit dem Vor­derfuss in den Rücken hieb, so dass ich vorwärts fiel, auch fühlte ich noch, wie ich wahrscheinlich beim über mich Set­zen, mit den Hinterfüssen auf mein schlechtes Bein getreten wurde.

Dann aber war ich besinnungslos. Als ich wieder zu mir kam, lag ich in einer Scheuer bei mehreren Bles­sierten und mein treuer Schick kniete neben mir, ich fühlte mich sehr elend.

Bei jeder Bewegung kamen mir dicke Brocken geronnenes Blut wie Leber aus dem Hals. Meine Bein­kleider waren nur noch am linken Bein sichtbar, am rechten war mir alles weggetreten, so dass vorne nur oben noch ein Fetzen bis gegen das Knie hing. Ich war so zertreten, dass man an drei Stellen die Knochen sah.

Ich schickte meinen Schick in die Ambulanz, damit ich verbunden würde. Es kamen bald zwei Mann mit einer Tragbahre und brachten mich dahin, wo ich noch lange warten musste, bis ich verbunden wurde.

Meine Wunden wurden ausgewaschen und mit Heftpflaster zusammen gehängt, dann wurde ich mit di­cken Hölzern auf der Brust und am Rücken nebst beiden Seiten geschient. Als es fertig war, sagte man mir, nun solle ich machen, dass ich nach Wien in ein Hospital käme.“

Pulkau fürchterlich geplündert
Die Bevölkerung litt sehr unter den Kämpfen. Plünderungen und Brandschatzungen waren an der Tages­ordnung. Eine dieser Begebenheit ist im Gedenkbuch der Pfarre Pulkau vermerkt.
In dieser Gemeinde wusste niemand vom Waffenstillstandsvertrag nach der Schlacht bei Znaim, da das Do­kument in der Kanzlei der Stadt Schrattenthal liegen geblieben war. Als am 13. Juli 1809 etwa 10 Kavalle­risten der Grossen Armee nach Pulkau kamen, versammelten sich die Bürger vor dem Rathaus. Dort emp­fing der Syndikus die Soldaten. Ein Kavallerist war zurückgeblieben und untersuchte das Gewehr des Pos­tens, der vor dem Spital stand, und schoss es in die Luft ab.
Dies hielten die Pulkauer für ein Zeichen, dass sie sich verteidigen sollten. Sofort wurde ein Kavallerist vor dem Rathaus vom Pferd geschossen, ein zweiter niedergehauen. Die restlichen Franzosen flüchteten.
Wenig später rückte ein Regiment zur Untersuchung des Vorfalles heran und stellte sich außerhalb von Pulkau auf. Syndikus Hitzelberger, Protokollist Scherak und der Hauptmann des Spitals begaben sich zum kommandierenden General, baten um Gnade und erläuterten die Umstände der geschehenen Tat.
Da sich herausstellte, dass der Waffenstillstand in Pulkau wirklich unbekannt war, die Soldaten für Plünde­rer gehalten und aus Irrtum zur Gegenwehr gegriffen worden war, erhielten die Pulkauer Gnade unter der Bedingung, dass der Markt eine Stunde hindurch fürchterlich geplündert wurde.
Ferdinand Gollhofer, ein Bürger, der eben ein Lamm geschlachtet hatte, war mit Blut befleckt. Diesen hiel­ten die Franzosen für den Mörder ihrer Kameraden, schlugen ihn, banden ihn an den Schweif eines Pferdes und schleppten ihn durch die Straßen, worauf er starb.
Bei den Plünderungen wurden die Häuser verwüstet, insbesondere viel Wein ausgelassen. Erst am nächs­ten Tag verließ das Regiment Pulkau. Pfarrer Ulrich Jakomir berechnete den von den Franzosen in sei­nem Haus angerichteten Schaden auf 1.053 Gulden.

Besetzung kostete 138 Millionen Gulden
Aus der Chronik von Zwettl erfährt man, dass die militärische Besetzung Niederösterreichs 138 Millionen Gulden kostete.
1809 war der Druck der Besatzungsmacht wesentlich stärker als nach dem Krieg von 1805. Die fremden Truppen waren oft rücksichtslos und brutal. Es kam zu Ausschreitungen und Gewalttaten. Die Hauseigentümer mussten für die Verpflegung der einquartierten Soldaten aufkommen. Besonders auf dem Land hatte die Bevölkerung durch Marodeure, Deserteure, aber auch durch Angehörige des Trosses zu leiden, und nicht immer wurde dabei von den Offizieren der Bevölkerung Hilfe geleistet.
Nach dem Waffenstillstand von Znaim rückte ein französisches Armeekorps unter Marschall Marmont in das Waldviertel ein. Diese etwa 30.000 Mann starke Truppe war in Dalmatien stationiert gewesen und von dort in Eilmärschen herangerückt. Sie befand sich in einem denkbar schlechten Zustand und Napoleon selbst soll Marmont angewiesen haben, die Gelegenheit der Stationierung im besiegten Österreich dazu zu nützen, die Truppe sich erholen, neu formieren und frische Kräfte sammeln zu lassen.
Marschall Marmont bezog zwischen Rohrendorf und Theiß sein Lager, auch Oberst Maucun, der zum Gouverneur für das Viertel ober dem Manhartsberg ernannt worden war, verwaltete von hier aus das Waldviertel. Die Marmont’sche Kavallerie überwachte das gesamte Viertel bis zur böhmisch-oberösterreichischen Grenze und stellte so die Versorgung für das Korps sicher.
Der Marschall teilte seine Verpflegungs- und Ausrüstungswünsche einfach dem Kreisamt in Krems mit, das nun seinerseits die einzelnen Grundherrschaften mit der Beschaffung der Güter beauftragte. Die Herrschaften waren für die pünktliche und vollständige Aufbringung der Waren und deren Transport - unter Androhung militärischer Exekution - verantwortlich. Jeder Widerstand gegen die Kontributionen und Requirierungen wurde mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Lebensmittel, Kleidungsstücke, Pferde, Vieh, Futter usw. mussten auf Befehl abgeliefert werden.
Die Hausbesitzer waren überdies, wie bereits erwähnt, für die Verpflegung der bei ihnen einquartierten Soldaten verantwortlich, und die waren meist nicht gerade bescheiden. So verlangten etwa die Besatzer in Rastenfeld zum Frühstück Suppe, Eier und Schmalz, einen Laib Brot und ein halbes Maß Wein pro Mann. Zu Mittag wünschten sie Suppe, Rindfleisch mit Beilage, dann Braten und ein Maß Wein. Die Jause glich dem Frühstück, das Abendessen dem Mittagmahl, jedoch ohne Rindfleisch.
Übergriffe und Gewaltanwendung waren an der Tagesordnung. Dabei fürchtete die Zivilbevölkerung nicht so sehr die Franzosen selbst, sondern viel mehr deren Verbündete, etwa die Württemberger und Elsässer.
Teile der französischen Besatzungsmacht blieben bis zum 20. Dezember im Waldviertel stationiert. Die Kreisämter erhoben, dass diese militärische Besetzung in Niederösterreich Kosten von 138 Millionen Gulden verursacht hatte. Kosten, die vor allem die Zivilbevölkerung zu tragen hatte. Nur ein verschwindender Bruchteil davon wurde später ersetzt. Nach Krieg und Besatzungszeit hatte die Bevölkerung dann noch unter der Ruhr und anderen Epidemien zu leiden. Überdies war die Wirtschaft des Landes in den vorangegangenen Kriegsjahrzehnten so schwer geschädigt worden, dass am 20. Februar 1811 der Staatsbankrott erklärt werden musste.
Aus dem Dorf Gradnitz ist ein kleines Dokument erhalten, in dem die Geld- und Naturalleistungen der Bevölkerung für die französische Besatzungsmacht verzeichnet sind. Demnach mussten die Gradnitzer ab August an ihre Herrschaft (das Stift Zwettl) vor allem Geld und Leinen für die Franzosen liefern, ab Oktober Getreide, Heu, Ochsen, Kopf- und Tuchgeld sowie Stroh und Holz für das Militärlager in Zwettl.
Von 2. November bis 18. Dezember waren dann in dem kleinen Dorf (25 Häuser mit rund 150 Einwohnern) selbst 45 Soldaten einquartiert, die verköstigt werden mussten, was pro Mann und Tag fast 3 Gulden ausmachte. Überdies lag in Oberstrahlbach ein französischer Offizier im Quartier, dessen Unterhalt die Gradnitzer (zum Teil ?) bestreiten mussten. Sie lieferten dorthin durchschnittlich jeden zweiten Tag 6 bis 8 Pfund Rind- und Schaffleisch, 1 Pfund Zucker, 3 Maß Wein, Brot, Käse, Hühner oder Fisch, gelegentlich Schnaps oder Likör und Kerzen. Die Gradnitzer errechneten, dass ihnen die französische Einquartierung in Summe 10.530 Gulden gekostet hatte. Außerdem mussten einige von ihnen bei der Herrschaft ein Darlehen aufnehmen, um die geforderten Abgaben überhaupt bestreiten zu können. Ob die Bauern von Gradnitz mit der vorliegenden Aufstellung ihrer Besatzungskosten Erfolg hatten, ob ihnen also der durch den Krieg entstandene Schaden (vielleicht auch nur zum Teil) ersetzt wurde, lässt sich wohl nicht mehr feststellen, ist aber höchst fraglich.
Nachdem die französischen Soldaten im Dezember Zwettl bereits verlassen hatten, kam ein großer Trupp von Flüchtlingen, Deserteuren und Nachzüglern der französischen Armee in die Stadt und verlangte von den Zwettlern 3000 Gulden Brandschatzung. Die Bürger wandten sich in ihrer bedrängten Lage an den im Stift noch anwesenden General der Grande Armee und baten ihn um Hilfe. Dieser eilte unverzüglich in die Stadt, und die Freibeuter ergriffen die Flucht.


Geheimdienst verhaftete "Frau Havelka"



„Bei Dir fühlen wir uns wie im Ha­welka in Wien“. Lenka Fialová be­kam vor 20 Jahren solche Kom­plimente von Gästen aus Österreich, als sie in Znaim neben der Nikolaus­kirche ein Cafe eröffnet hatte. Seither gibt es in der südmährischen Stadt ei­nen Treffpunkt für Künstler, der den gleichen Namen wie das berühmte Vor­bild führt. Der einzige Unterschied liegt in der Schreibweise, "w" in Wien, "v" in Znaim.
Lenka Fialová hat seit längerer Zeit gute Kontakte mit dem „echten“ Hawelka in Wien. Als Josefine Hawelka starb, erhielt sie sogar per Post eine Erinne­rungs-Parte der Familie.
Einmal war sie auch im Cafe in der Innenstadt der Bundeshauptstadt. Wo viele Erinnerungen für sie wach wurden: Denn 1980 mußte sie vor dem stalinistisch-bol­schewistischen Regime ihrer Heimat nach Ös­terreich emigrieren.
„Schon als kleines Mädchen habe ich gerne gemalt“, erzählt Lenka, die in Zlin zur Welt kam. In Hradiste besuchte sie die Schule für Angewandte Kunst und spielte in der Freizeit in einem Puppentheater mit.
Einmal führ­ten sie mit sechs anderen Studenten ein Stück auf, dessen Texte spitze An­griffe gegen das kommunistische Regime in der Tschecho­slowa­kei beinhalteten. Des-wegen verhafteten Ge­heimdienst und Staats-polizei (STB) das ganze Ensemble.
Nach dem ominösen Paragraph 100 wurde sie wegen „Aufwiegelung gegen die CSSR“ zu eineinhalb Jahre Haft verur­teilt. „Am ärgsten waren die ers­ten fünf Monate, fast jeden Tag wurde ich von den Ge­heimpolizisten verhört. Im­mer wieder die gleichen Fragen, der Versuch einer richtigen Ge­hirnwäsche“, erinnert sich Lenka Fialová.
Nachdem schon in Frankreich und in Deutsch­land im Radio über das Schicksal der Studenten­gruppe berichtet wurde, begnadigte Staatspräsi­dent Ludwig Svoboda nach einem Jahr die Ma­rionettenspieler.
Mit der Auflage, daß sie nach Österreich emigrieren müssen und ihnen die tschechische Staatsbürgerschaft aberkannt wird. Sogar die Kosten für die Schulbildung mußten die Eltern der Studenten der Tschechoslowa­kei ersetzen.
In der Oberen Donaustraße in Wien bekam Lenka eine Wohnung und sechs Monate später die österreichische Staatsbürger-schaft. „Dort habe ich als Korrespondentin für die Radio Freies Eu­ropa in München gearbeitet“, erzählt sie. Dann übersiedelte Lenka Fialová nach Alberndorf im Wein-viertel. Nach Ende des kommunisti­schen Regimes kam sie im Dezem­ber 1989 das erste Mal wieder in ihre Heimat: „Von den Zoll­beamten wurde mein österrei­chischer Paß und das Visum ganz genau be­gutachtet, doch sie ließen mich passieren.“
Lenka hatte Glück. Ihr Vater hatte ihr ein Haus in Znaim vererbt, wo früher die Wä­scherei der Nikolauskirche war. Nach einer aufwendi­gen Renovierung eröffnete sie eines der erste privaten Restaurants: „Nachdem ich zuerst nur Kaffee und Buchteln anbot, wurde mein Lokal durch die Gä­ste aus Österreich zum Havelka in Znaim.“ Am meisten hat sich Lenka gefreut, als sie eine Gruß­karte aus Wien erhielt: „Hawelka grüßt Havelka!“
Nachdem Lenka Fialová ihre eigene Mal-technik weiter entwickelt hat, entstehen in ih­rem Atelier Bilder mit historischen Motiven. So ist das „Ha­velka in Znaim“ genauso wie das Wiener Origi­nal zum Treffpunkt von Poeten, Philoso­phen und Graphikern  geworden.

Professor aus Znaim ist berühmter Afrikaforscher

Herbert Felix und Thomas Bata

Das Haus der Familie Felix stand in Trebitsch am Karlsplatz Nr. 6, gleich neben dem Rathaus.  Das war eine große Ausnahme, da die Juden in eige­nen Vierteln außerhalb der Stadtmauer wohnten. In Trebitsch war das Juden­viertel westlich des Iglau-Flusses.
Einer der Vorfahren war Felix Sachs. Acht Jahre hatte er als Bader für die Reichsgräfin Zierotin, geborene Gräfin von Waldstein, gearbeitet. 1694 stellte sie ihm ein Zeugnis aus, worauf er in Trebitsch blieb. Auch seine Söhne und Enkel waren dort als Wundarzte und Chirurgen tätig.
Salomon Felix war Feldarzt im Krieg und hatte an Händen und Beinen Läh­mungserscheinungen. Daher erhielt er 1842 das Hofdekret, Branntwein her­stellen zu dürfen. Damit begann der Reichtum der Familie.
Moritz (Moric) Felix machte aus der Spiritus­brennerei eine Likörfabrik und errich­tete 1868 in Znaim mit der Familie Löw eine Gurkenfab­rik.
Oberhalb des Judenviertels von Tre­bitsch liegt die Prokop-Basilika  und das Schloss der Grafen Waldstein. In seinem Buch „Zwischen den Zeiten“ schreibt Bruno Kreisky: „Eine alte Gräfin Wald­stein hat mir einmal er­zählt, dass ihr Vater Leute auf einem Turm postiert hatte, die ihm mitteilen mussten, wenn mein Großvater (Moritz Felix) sein Haus verließ. Dann hat sich der Graf aufgemacht, um ihm zufällig zu begeg­nen, weil er wis­sen wollte, wie die Kurse an der Börse in Prag notierten.“
Im Nachbarhaus der Familie Felix wohnten entfernte Verwandte, die Brü­der Lederer. Jiři Lederer, ein ewiger Medizinstudent, praktizierte am Trebit­scher Spital. Obwohl er mit seinem Stu­dium nie fertig wurde,  wollten die Bau­ern der Umgebung nur von Dr. Lederer behandelt werden, den sie taxfrei promoviert hatten.
Sein Bruder Franz Lederer war Schauspieler in Bratislava. Später ging er nach Amerika und wurde dort ein berühmter Filmstar. 1933 hat er vielen Verwandten, die er in den Vereinigten Staaten aufnahm, das Leben ge­rettet.
Moritz Felix hatte 16 Kinder. Sohn Berthold übernahm die Likörfabrik in Trebitsch und Friedrich die Gur­kenfab­rik in Znaim. Friedrich war sehr innovativ, stellte auf die Fünf-Liter-Gläser um und kreierte als Marken­zeichen einen schwarzen Kater.
Dann wurde Herbert Felix neuer Chef in Znaim.  Als der Einmarsch der Hit­lertruppen nach Tschechien droht, emigriert er nach Schweden. Dort be­schäftigt er sich eingehend mit der Kon­servierung von Lebensmitteln.
So beginnt die Erfolgsgeschichte der "AB FELIX". 1943 verlässt Herbert Felix das Unternehmen und tritt in England als Soldat in die Tschechische Auslandstruppe ein.
Nach dem Weltkrieg kehrt er nach Znaim zurück. Emigriert wegen der stalinist-bolschewistischen Kommunis­ten aber erneut nach Schweden. Dort besteht die "AB FELIX" auch heute noch. Wie das Tochterunternehmen "FELIX AUSTRIA" in Mattersburg im Burgenland.
Als Charles Lindbergh 1927 mit dem ersten Al­leinflug über das Meer von New York nach Paris berühmt wurde, hatte er ein Bild von „Felix the cat“ als Maskottchen auf seine Maschine malen lassen. Den Kater liebte die ganze Welt.
Die Vorlage der Comic- und Trickfilm­figur stammt aus Znaim. Friedrich, der Vater von Herbert Felix, hatte den schwarzen Kater zum Firmenlogo aus­erkoren.
Johann Zuckriegl schreibt in dem Buch über die „Ge­schichte der Znaimer Gurke“, dass sich die Gurke nach einer durchzechten Nacht besonders als Ka­terfrühstück eignet und darin der tiefere Sinn des Markenzei­chens zu se­hen ist.
Da Friedrich Felix die Gurken nicht mehr in kleinen Holzfässern, sondern in Fünf-Liter-Glä­sern verpackt bis nach Amerika exportierte, wurde der schwarze Kater in den USA schnell bekannt.
Otto Messner aus New-Jersey zeich­nete Karika­turen. 250 Zeitungen druck­ten um 1900 seine Comics mit den Aben­teuern von „Felix the cat“ ab. Die Katze erreichte praktisch jeden Winkel der Weltkugel. Die Figur mit den großen Augen und dem Lächeln wurde in dieser Zeit auch der Hauptdarsteller dieser Trickfilme.
Der amerikanische Zeichner Joe Ori­olo verfei­nerte das Aussehen des Katers. In den Anfängen des Fernsehens gab es noch kein geometrisches Testbild. Die Ingenieure verwendeten einfach eine Zeichnung von Felix. Aus dem Marken­zei­chen war der erste TV-Star gewor­den.
Für Kino und Fernsehen produzierte die Firma von Walt Disney viele Filme mit dem schwarzen Kater. Oriolo zeich­nete auch das „Fe­lix-Baby“. Die Co­mics-Bücher erreichten Millionenaufla­gen.
Die Gaststätten von Wendys verkauf­ten Felix-Mahlzeiten für Kinder. Ein Musical über den Kater führten Künst­ler aus China beim ameri­kanischen Karneval auf.
Mehr im Internet unter: „http://felixthecat.com“.
Bereits acht Generationen lang übte die Familie Bata in Zlin das Handwerk eines Schuh­machers aus. Thomas Bata, der dort am 3. 4. 1876 zur Welt kam, wollte Hausschuhe am Fließband herstel­len. Patschen aus einem Wollgemisch und mit einer Leder­sohle.
Die Idee war völlig neu und niemand wollte Bata die Sohlen auf Kredit lie­fern. Bis auf dem Znaimer Lederfab­ri­kanten Anton Buchberger, ein Onkel von Herbert Felix. Mit diesem Pri­vat­kredit konnte Thomas Bata sein Impe­rium gründen und kaufte später das Sohlenleder immer wieder bei Buchberger.
In Zlin baute Thomas Bata 1894 eine Schuhfab­rik, an der vorerst für ein Jahr sein Bruder An­tonin und seine Schwes­ter Anna beteiligt waren. Bald wurden die Erzeugnisse nach Europa, Nordame­rika, Asien und Afrika exportiert. Bata war eines der wenigen Unter­nehmen, das während des Ersten Welt­krieges die in Unmen­gen benötigten Militärstiefeln liefern konnte.
1930 stieg Bata zum Weltmarktführer auf, zwei Jahre danach starb Thomas Bata bei einem Flug­zeugunglück. Sein Sohn Thomas Junior wurde neuer Kon­zernchef und weitete die Produktion auf Reifen (Barum), Spielzeug und Plastik­fasern aus. Wegen der instabilen politi­schen Lage in Europa ver­legte er in der Zwischenkriegszeit den Hauptsitz nach Kanada.
Die Konzernzentrale befindet sich heute noch immer in Toronto.  In 40 Schuh­fabriken in 26 Ländern und in 4.600 Geschäften beschäftigt Bata derzeit an die 40.000 Mitarbeiter.

Peter Alexander trieb in Znaim sein Unwesen

Ende Februar 2011 starb der prominente österreichische Schauspieler Peter Alexander im 84. Lebensjahr. Was die wenigsten seiner Fans wissen: der Wiener ging um 1938 einige Jahre in das Gymnasium am Komensky-Platz in Znaim.

Wie Peter Alexander in seinen Memoiren anmerkte, musste er deshalb nach Znaim, da seine Eltern keinen anderen Rat mehr mit dem schlimmen Buben wussten. Doch in der Fremde war er auch nicht brav.


Ein Schulfreund von Peter Alexander hatte in einer Drogerie des Vaters am Oberen Platz verschiedene Chemikalien "mitgehen lassen". Daraus mischten sie Schwarzpulver. Genauso, wie sie es im Chemieunterricht gelernt hatten.


Dann schlichen sie sich in die WC-Anlage neben dem Gymnasium und entzündeten dort das Pulver. Das WC konnte einige Tage nicht benutzt werden, da alles geputzt werden musste.


Übrigens: trotz Einsatz der Polizei konnten die beiden Buben nicht gefasst werden. Sonst hätte Peter Alexander später nicht so eine grandiose Karriere machen können.

Priester als Naturzauberer: Prokop Divis

Es grenzte fast an Gotteslästerung, womit sich Prokop Divis beschäftigt hat. Der Priester aus Südmähren baute im Jahr 1737 eine "Wettermaschine", die als Vorläufer des heutigen Blitzableiters auch wissenschaftlich anerkannt ist.
Der Gottesmann durfte seine Erfindung sogar dem Kaiserhof in Wien präsentieren. Danach stand er in regem Kontakt mit den Universitäten Wien und Prag. Seine theoretischen Abhandlungen wurden unter dem Titel "Magia naturalis" (Naturzauberei) auch in Tübingen und Frankfurt am Main veröffentlicht.
Doch heute wird in allen Lexika nicht er, sondern Benjamin Franklin als Erfinder des Blitzableiters angeführt. Obwohl der Amerikaner erst 1706 geboren wurde. Damals ging Divis schon in die Klosterschule.
Prokop Divis, am 26. März 1698 geboren, studierte bei den Prämonstratensern in Klosterbruck (Louka) bei Znaim (Znojmo) Philosophie und Theologie. In dem riesigen Gebäude, das in der k.u.k.-Monarchie zu einer Kaserne umfunktioniert wurde, erhielt der Novize auch die Priesterweihe.
Er brachte es sogar bis zum Prior, fiel aber dann beim Abt in Ungnade und musste sein weiteres Leben als Priester im Znaimer Vorort Brendnitz (Primetice) fristen. Was ihm wenig ausmachte, konnte er sich doch in seiner Pfarre ungehindert den Naturwissenschaften widmen.
Zuerst baute er Wasserleitungen. Dann erfand Divis einen Kasten mit Metallsaiten. Mit dem "Denisdor" konnte er den Klang verschiedener Musikinstrumente nachmachen. Schließlich begann der Pater mit seinem Experimenten in Richtung Elektrostatik. Ausschlaggebend war das Schicksal von Professor Georg Wilhelm Richmann aus Petersburg, der bei Forschungsarbeiten vom Blitz erschlagen wurde.
Unerschrocken befestigte Prokop Divis auf einem 15 Meter hohen Mast mehrere Metallkreuze und verband die Konstruktion mit drei Eisenketten zum Erdboden. Diese "Wettermaschine" war der Prototyp des modernen Blitzableiters. Doch nach einigen Jahren musste er den Apparat auf Befehl seiner Vorgesetzten abbauen, da dieser als Ursache für eine Wasserknappheit angesehen wurde.
Heute erinnert ein Denkmal neben der Kirche vom Brendnitz (Primetice) und ein kleiner Park vor dem Stadtarchiv von Znaim (Znojmo) an den großen Sohn von Südmähren.

Klosterbruck: Kirche Mariä Himmelfahrt

Das zentrale Gebäude des Prämonstratenser-Klosters in Znaim-Klosterbruck (Louka) ist die Kirche der Heiligen Maria (Maria Himmelfahrt) und des Heiligen Wenzel. Die historische Form wurde deshalb erhalten, da beim großen Umbau des riesigen Gebäudekomplexes im 18. Jahrhundert das Gotteshaus nicht einbezogen worden war.


Die Kirche ist ursprünglich ein romanischer Bau mit einer romanisch-gotischen Krypta, deren Eingang einst zugemauert wurde. Erst 1897 entdeckten die Mönche die Gruft, die aus Bruchstein erbaut worden ist. Nur die Apside besteht aus kleinen romanischen Quadersteinen.



Das Kirchenschiff wurde bis zur Höhe der Fenster aus romanischen Mauerwerk errichtet. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden in die romanische Basilika die Barockemporen (Galerien) eingefügt. Der Priesterraum ist spät-gotischen Ursprungs.

Ursprünglich gab es nur den südlichen Frontturm, der zweite Turm stammt aus der Zeit des Umbaues im 17. Jahrhundert. Rechts neben der Kirche befinden sich die ursprünglichen Gebäude des Klosters mit gotischen Mauern und einem gotischen Kreuzgang im Hof.

Wenn Sie die Kirche betreten, sehen Sie vorerst die barocken Beichtstühle. Links davon befindet sich die Kapelle der Heiligen Jungfrau Maria mit einem barocken Taufbecken, die durch ein Barockgitter vom Kirchenschiff abgetrennt ist. Auf dem Altar befindet sich eine Madonnenstatue, an der Seitenwand hängt ein Bild der Heiligen Anna mit der Heiligen Jungfrau Maria.

Das Hauptschiff wird von den Nebenschiffen von zwei Säulenreihen abgetrennt. An diesen Säulen sind Altäre mit den Bildern von Heiligen befestigt.

Auf der linken Seite sehen Sie die Heilige Ursula, danach den Heiligen Johannes den Täufer (der gerade Christus tauft). Dann folgt die barocke Kanzel mit der Statue des Heiligen Wenzel und das Bild von der Krönung der Jungfrau Maria. In diesem Seitenschiff befindet sich auch eine prachtvolle Kapelle mit der Statue des Heiligen Norbert, dem Gründer des Prämonstratenser-Ordens.



Auf der rechten Seite sehen Sie den Heiligen Augustin, den Heiligen Ambrosius, den Kalvarienberg und den Erzengel Michael. Ganz vorne steht der Altar mit dem Heiligen Augustin, dem Verfasser der Regulae (Regeln des Ordenslebens der Prämonstratenser), mit einem kleinen Bild des Heiligen Johannes von Nepomuk.

Im vorderen Teil des Hauptschiffes befinden sich die Kanonikerstühle mit zwölf Reliefen aus dem Leben des Heiligen Norbert. Der barocke Hauptaltar im Priesterraum wird geprägt vom Bild der Himmelfahrt Marias und einem kleineren Gemälde mit dem auferstandenen Christus. Darüber sehen Sie auf der linken Seite die Statue des Heiligen Wenzel (Böhmischer Landespatron) und auf der rechten Seite den Heiligen Leopold (Landespatron von Niederösterreich). Oberhalb befindet sich der Heilige Norbert (links) und der Heilige Augustin (rechts), die bedeutendsten Heiligen des Prämonstratenser-Ordens.








alle Fotos: Reinhard Kaufmann